AfD-Funktionär greift mich gewalttätig an – Staatsanwaltschaft stellt Verfahren ein

Anfang Juli 2016 wurde ich bei einer spontanen Demonstration vor dem Haus der Burschenschaft Teutonia gegen eine Veranstaltung der AfD, die in selbigem Haus stattfand, von einem Burschenschafter auf offener Straße gewalttätig angegriffen. Dabei wurde ich glücklicherweise nicht verletzt, da der Angreifer mir zwar zweimal ins Gesicht schlug, aber beide Male nicht gut traf und somit nur meine Sonnenbrille zerstörte. Den dritten Schlag konnte ich abwehren. Der Täter konnte fliehen, wurde aber später von der Polizei gestellt. Ich erstattete Anzeige.

Heute habe ich einen Brief (hier könnt ihr ihn ansehen) von der Staatsanwaltschaft bekommen, in dem mir mitgeteilt wird, dass das Verfahren eingestellt wurde. Es bestehe kein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung. Aus dem Schreiben konnte ich ebenfalls entnehmen, dass es sich bei dem Täter um Mike Braun handelt. Der Name des Täters war mir bis dato nicht bekannt.

Der Täter ist AfD-Funktionär

Mike Braun (Screenshot von der Seite der JA Franken)

Mike Braun (Screenshot von der Seite der JA Franken)

Eine kurze Internet-Recherche ergibt, dass es sich bei Mike Braun um den Vorsitzenden der Jungen Alternative Franken handelt. Ebenfalls ist Mike Braun Beisitzer im Vorstand der AfD Würzburg. Zudem hängt er gerne auch bei der „Identitären Bewegung“ rum. Dass die AfD gute Kontakte zu gewaltbereiten Neonazis hat, ist nichts Neues; diese liefen immer wieder im gesamten Bundesgebiet auf ihren Demos mit. Dass sie einen rechten Schläger in den eigenen Reihen duldet, ist dagegen ungewöhnlich. Diese Tatsache zeigt: die AfD ist eine Partei, deren Mitglieder zur Durchsetzung ihrer menschenverachtenden Ziele auch nicht vor körperlicher Gewalt zurückschrecken. Verletzungen von anderen Menschen werden dabei billigend in Kauf genommen oder sind sogar gewollt. Ich hatte Glück, konnte den Angriff einigermaßen abwehren und blieb deswegen unverletzt. Anderen Menschen wird es in Zukunft vielleicht (hoffentlich nicht) nicht so ergehen. Die AfD trägt summa summarum nicht nur zur Verrohung der Gesellschaft bei – nein, sie ist selbst ganz vorne mit dabei, wenn es um Gewalt gegen in diesem Fall Linke geht!

Staatsanwaltschaft öffnet rechter Gewalt Tür und Tor

Das zweite Problem an der ganzen Sache ist die Staatsanwaltschaft Würzburg. Während Linke für jeden Fliegenschiss ein Strafverfahren bekommen, ist dem zuständigen Staatsanwalt ein rechter, gewalttätiger Übergriff auf einen Linken offenbar egal. „Kein öffentliches Interesse“, heißt es da im Beamtendeutsch. Mit dieser Verfahrenseinstellung bekommen rechte Schläger defacto einen Freibrief für künftige Aktionen. Natürlich ist es öffentliches Interesse, mit der Anklage eines rechten Schlägers andere von solchen Taten abzuschrecken! Ich kann nicht nachvollziehen, was sich der zuständige Staatsanwalt bei dieser Verfahrenseinstellung gedacht hat. Weiterhin führt er an, dass ich ja nicht verletzt worden sei. Muss ich mich erst krankenhausreif schlagen lassen, bis ein Täter vor Gericht gestellt wird? Es ist unfassbar, mit welcher Ignoranz die Staatsanwaltschaft an diesen Fall herangegangen ist. Damals hat es mich getroffen, aber an 364 anderen Tagen im Jahr greifen Nazis Geflüchtete, PoC, Homosexuelle, Linke an und es interessiert bei Staatsanwaltschaft und Polizei genau niemanden. Die Bundesrepublik Deutschland ist offenbar weder willens noch in der Lage, seine Bürger*innen vor rechten Übergriffen zu schützen. Dieser Zustand ist vollkommen unhaltbar. Doch solange führende Politiker*innen wie z.B. Horst Seehofer oder auch der bayerische Innenminister Herrmann lieber die AfD und ihre Anhänger*innen hofieren und somit den rassistisch-völkisch-nationalen Grundkonsens von Teilen der Gesellschaft, im Zweifel rechts zu stehen, zementieren, wird sich das nicht ändern. Wir brauchen nicht erst seit heute, aber immer dringender endlich einen Aufstand der Anständigen, um diesem menschenverachtenden Treiben ein Ende zu setzen!

Ergänzung: die in der Main-Post geäußerten Vorwürfe sind eine glatte Lüge der AfDler

Staatsanwalt Raufeisen führte in der Main-Post an, meine Gruppe habe den AfD-Funktionär bedrängt. Das stimmt nicht. Wir haben lediglich in Ausübung unseres grundgesetzlich garantierten Demonstrationsrechts Parolen gerufen. Von einer Bedrängung, zumal einer unmittelbaren, kann keine Rede sein.

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